Wie Medikamente im Alter wirken - Ritter - Ritter
17.11.2011

Wie Medikamente im Alter wirken

Ab 65 Jahren sollte man regelmäßig die Dosierung seiner Medikamente überprüfen und außerdem kritisch abwägen: Sind Einsatz, Dosierung und Einnahmedauer jedes einzelnen Präparats tatsächlich nötig?

Denn wie wir alle wissen, entfaltet neben einer erwünschten Wirkung jedes Medikament auch stets unerwünschte Nebenwirkungen. Was aber noch immer zu wenig beachtet wird: Die Körperfunktionen älterer Menschen verändern sich zunehmend, sämtliche Stoffwechselvorgänge verlangsamen. Dazu gehört die Fähigkeit des Verdauungssystems, Nährstoffe aus der Nahrung ausreichend „aufzuschließen“ und Verdautes aus dem Körper zu transportieren. Die Nieren filtern Giftstoffe nicht mehr so effektiv wie in jungen Jahren. Der Wasseranteil im Körper verringert sich.

Ungewollte Überdosierungen schädigen die Nieren

Und so kann die Wirkstoffkonzentration eines Medikaments im Körper ungewollt hoch sein, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneimittelstoffen können sich stärker ausbilden. Die Konzentration von Medikamenten oder ihren Abbauprodukten kann dann oft viel zu hoch sein. Die Niere wird möglicherweise auf Dauer mit einer solchen Belastung überfordert sein.

Vor allem Frauen im höheren Alter sind von solchen ungewollt hohen Dosierungen betroffen. Zwar wird die notwendige Verabreichungsmenge vor der Zulassung eines Präparats getestet, jedoch üblicherweise an Männern mittleren Alters und nicht an Frauen oder alten Menschen.

Viele Krankheitsbeschwerden – viele Medikamente

Weil im Alter Krankheiten gehäuft auftreten - Herzkreislaufbeschwerden, Alters-Diabetes, Bluthochdruck - spricht man auch von einer alterstypischen Multimorbidität. Hierin liegt eine weitere Gefahr: Denn werden alle diese Beschwerden medikamentös behandelt, dann ist die Gefahr von

Wechselwirkungen natürlich besonders groß. Immer öfter fordern Mediziner deshalb, bei älteren Menschen nicht nur die Dosierung von Medikamenten zu verringern, sondern auch die Zahl der eingesetzten Präparate pro Patient deutlich zu senken.

Nicht selten rufen nämlich die Folgen von Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und hoher Substanzkonzentrationen bei den Betroffenen Symptome hervor, die denen einer Demenzerkrankung verblüffend gleichen: Die Betroffenen sind desorientiert, unkonzentriert, auffallend vergesslich, haben Gleichgewichtsstörungen und Schwindelgefühle. Setzt man jedoch die Medikamente der vermeintlich von demenzieller Altersverwirrtheit Geplagten ab, dann verschwinden in vielen Fällen auch sämtliche Symptome.