Harninkontinent – Was nun? - Ritter
13.08.2012

Harninkontinent – Was nun?

Harninkontinenz: Definition Inkontinenz (lat.: incontinentia = Nichtverhalten, Nichtkontrolle des Affektes) beschreibt die Unfähigkeit Stuhl oder Urin bewusst zurückzuhalten.

Harninkontinenz: Häufigkeit

Über 3,7 Millionen Menschen leiden nach Schätzungen an Inkontinenz. Die Dunkelziffer liegt jedoch vermutlich deutlich höher. Überwiegend sind ältere Menschen betroffen, wobei  Inkontinenz grundsätzlich in allen Lebensphasen auftritt. Die Wahrscheinlichkeit steigt jedoch mit zunehmendem Alter an. Während mehr als 30 % der über 80 Jährigen betroffen sind, leiden nur 0,2 % der fünf bis 64 Jährigen an Inkontinenz. Frauen sind zudem fünf Mal häufiger betroffen als Männer und jede dritte Frau über dem 50. Lebensjahre weist Probleme in diesem Bereich auf.

Harninkontinenz: Ursachen und Formen

Das Auftreten einer Harninkontinenz wird durch verschiedene Faktoren begünstigt. Körperliche und funktionelle Veränderungen, psychische Einschränkungen sowie Einflüsse durch Medikamenteneinnahme spielen eine Rolle. Auch Beckenbodenschwäche, Verstopfungen, Harnwegsinfekte und Einschränkungen der Beweglichkeit unterstützten die Erkrankung. Nach den wesentlichen Ursachen und ihren charakteristischen Symptomen lassen sich verschiedene Formen der Harninkontinenz ableiten:

  1. Dranginkontinenz
  2. Stress- bzw. Belastungsinkontinenz
  3. Mischinkontinenz

1. Harndranginkontinenz

Diese Inkontinenz ist durch häufigen, rasch auftretenden und starken Harndrang geprägt. Vielfach ist dieser mit einem unkontrollierten, auch größeren, Harnverlust verbunden. Ungehemmte Kontraktionen des Detrusors verursachen die Dranginkontinenz. Der Detrusor ist ein Muskel, der für die Leerung der Harnblase verantwortlich ist. Dranginkontinenz kann sowohl durch lokale urogenitale Veränderungen, wie Blasenentzündungen oder Tumore, als auch aufgrund von Erkrankungen des zentralen Nervensystems, etwa Schlaganfälle oder Demenz, ausgelöst werden

2. Stress- bzw. Belastungsinkontinenz

Diese Form basiert auf eine mechanische Belastung, die zu einer Erhöhung des Drucks im inneren des Bauchraumes führt. Typische Belastungen bestehen zum Beispiel bei Husten, Niesen, Lachen sowie Sport und schweres Heben. Dies bedingt unkontrollierte Harnverluste in kleineren Mengen. Die Belastungsinkontinenz tritt häufig als Folge einer Beckenbodenmuskelschwäche, zum Beispiel durch häufige vaginale Entbindungen, oder durch innere Blasenschwächen, etwa durch Operationen, auf.;

3. Mischinkontinenz

Sie umfasst die charakteristischen Symptome der vorhergenannten Inkontinenzformen bei verschiedensten Ursachen. Sie wird unter anderem durch anatomische Verengungen oder ein fehlerhafter Verschlussmechanismus durch Rückenmarksschädigungen bzw. Entzündungen verursacht.

Harninkontinenz: Was kann ich tun?

Zur Behandlung der Inkontinenz bieten sich je nach Schwere, Ursache und persönlicher Einschränkung verschiedene Methoden an. Neben Kontinenztraining, physikalischer Therapien und Kontinenzhilfsmitteln (z.B. Vorlagen) bestehen auch medikamentöse und operative Behandlungsmöglichkeiten sowie die Anwendung instrumenteller Harnableitungssysteme. Auf jeden Fall sollten Betroffene das offene Gespräch mit ihrem Arzt suchen und gemeinsam Unterstützungsmöglichkeiten eruieren.
Bei einer Harninkontinenz ist zudem auf eine sehr gute Hautpflege im Intimbereich zu achten, damit Feuchtigkeit oder das Zersetzungsprodukt Ammoniak nicht zu Hautentzündungen oder Pilzinfektionen führen. Oberstes Ziel stellt daher die Erhaltung oder Wiederherstellung des physiologischen Hautzustandes dar. Folgende Maßnahmen können helfen:

  • Regelmäßige Hautreinigung nach Kontakt mit Ausscheidung unter Erhaltung des Säureschutzmantels zum Beispiel durch Vermengung des Waschwassers mit einem Esslöffel Essig oder Zitronensaft.
  • Die Haut mit Wasser in Öl-Präparaten pflegen und durch Vorlagen schützen.

Hinweis

Auch wenn eine Inkontinenz unangenehm ist, sollten Sie ihr nicht entgegenwirken indem Sie weniger Flüssigkeit trinken. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindesten 2L täglich ist besonders bei einer Inkontinenz wichtig um Harnwegsinfekte zu vermeiden.

Von: Martina Bliefernich | pm pflegemarkt.com GmbH