Die Vorsorgevollmacht - Ritter
01.05.2016

Die Vorsorgevollmacht

Eine Vorsorgevollmacht ist eine rechtlich bedingte Vollmacht, in der eine oder mehrere Personen des Vertrauens benannt werden können, die in spezifischen Situationen z. B. einer Betreuungsbedürftigkeit oder Geschäftsunfähigkeit im Namen der Vollmachtgeberin bzw. des Vollmachtgebers handeln dürfen.

Die Vollmacht kann sich dabei auf bestimmte Angelegenheiten beziehen, wie z. B. bei einer Bankvollmacht oder es kann eine allgemeine Vollmacht (Generalvollmacht) sein. Die Vollmachten können ggf. auch auf verschiedene Personen aufgeteilt werden. Sobald eine Geschäfts- und Handlungsunfähigkeit der Vollmachtgeberin oder des Vollmachtgebers durch ein ärztliches Attest bestätigt ist, tritt die bevollmächtigte Person für alle für alle ihr angetrauten Angelegenheiten ein.

     Wer braucht eine Vorsorgevollmacht?

Eine Vorsorgevollmacht kann für alle nützlich sein, da kein Mensch gegen eine Notsituation oder Krankheit gefeit ist, die womöglich auch mit dem Verlust der Geschäftsfähigkeit einhergeht. Vor allem kann durch eine Vorsorgevollmacht eine gesetzliche Betreuung vermieden werden.

Durch das Benennen eines Bevollmächtigten ist das Einsetzen einer Betreuerin oder eines Betreuers durch das Vormundschaftsgericht nicht mehr erforderlich. Zum Zeitpunkt „völliger“ Gesundheit kann schon im Voraus eine Vertrauensperson als ein Bevollmächtigter benannt werden, der für den Vollmachtgeber entscheidet und handelt, sofern dieser nicht mehr geschäftsfähig sein sollte. Dies soll helfen, das Recht auf Selbstbestimmung zu fördern.

Zu beachten ist jedoch, dass ein Bevollmächtigter in keiner Weise auf Tauglichkeit kontrolliert wird, deshalb ist es wichtig, dass die bevollmächtigte Person das volle Vertrauen der vollmachtgebenden Person genießt. Es ist daher sehr gut zu überlegen, wer als bevollmächtigte Person eingesetzt werden soll, denn diese Person wird an Stelle der vollmachtgebenden Person entscheiden und handeln.

    Kann ich eine Vorsorgevollmacht widerrufen?

Eine Vorsorgevollmacht kann jeder Zeit widerrufen oder geändert werden. Es empfiehlt sich auch, die Vorsorgevollmacht regelmäßig auf Aktualität zu überprüfen und ggf. zu erneuern oder anzupassen. Ist die Vorsorgevollmacht erst einmal in Kraft getreten, ist ein Widerruf in der Regel nicht mehr möglich, da die vollmachtgebeende Person nicht mehr geschäftsfähig ist.

  Welche Form muss eine Vorsorgevollmacht haben?

Eine Vorsorgevollmacht ist mündlich wirksam, jedoch wird diese oft (z. B. Bank) nicht anerkannt bzw. hinterfragt, deshalb ist es zweckmäßig sie immer in schriftlicher Form vorliegen zu haben. Es besteht die Möglichkeit, aber nicht die Pflicht, diese notariell beglaubigen zu lassen. Mit einer notariellen Beglaubigung schützen Sie sich vor Anzweiflung der Vorsorgevollmacht. Pflicht zur notariellen Beglaubigung besteht nur dann, wenn über Boden/ Immobilien verfügt werden soll.

     Wie wird eine Vorsorgevollmacht formuliert?

Es gibt vielfältig Muster für eine Vorsorgevollmacht (z. B. vom Bundesministerium der Justiz oder im Internet), jedoch können Sie eine Vorsorgevollmacht auch selbst formulieren. Wichtig ist, dass Sie detailliert aufführen wer, welche Aufgaben übernehmen soll, es sei denn Sie erteilen eine Generalvollmacht, die automatisch alle Aufgaben an die bevollmächtigte Person überschreibt. Sollten Sie den Wunsch haben, dass die bevollmächtigte Person Sie auch in Angelegenheiten der Gesundheit oder der persönlichen Bewegungsfreiheit vertritt, so muss dies explizit Erwähnung finden. Eine allgemeine Formulierung wie, „vertritt mich in allen Angelegenheiten“ reicht in diesem Fall nicht aus. Zusätzlich muss für Angelegenheiten in diesem Bereich immer vorher eine Genehmigung des Amtsgerichts vorliegen.

    Wo muss ich die Vorsorgevollmacht aufbewahren, wer muss davon wissen?

Eine Vorsorgevollmacht ist nur im Original gültig, deshalb ist der Aufbewahrungsort von großer Bedeutung. Um sich vor Missbrauch zu schützen, sollte die Vorsorgevollmacht sicher aufbewahrt werden, jedoch muss sie im Fall der Fälle für die bevollmächtigte Person auch auffindbar sein, damit sie/er handlungsfähig ist. Empfehlenswert ist es, eine dritte Person (außer der bevollmächtigten) über den Aufbewahrungsort in Kenntnis zu setzen. Die Vorsorgevollmacht kann auch beim Notar hinterlegt werden mit einer zusätzlichen Vereinbarung unter welchen Voraussetzungen der Notar, der/dem Bevollmächtigten die Vorsorgevollmacht aushändigen darf. Eine weitere Möglichkeit ist, sie beim zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer kostenpflichtig registrieren zu lassen. Zudem sollten Sie einen Hinweis über die Existenz der Vollmacht z.B. in Ihrem Portemonnaie bei sich tragen.

Von: pm pflegemarkt.com GmbH