Die Patientenverfügung – rechtzeitig vorgesort - Ritter
01.03.2016

Die Patientenverfügung – rechtzeitig vorgesort

Es ist nicht schön, sich Gedanken über schreckliche Schicksale zu machen, die uns in eine Lage bringen können, in der wir keine eigenen Entscheidungen mehr treffen können. Doch dies kann leider jedem passieren.

Eine Krankheit oder ein Unfall und wir landen bewusstlos im Krankenhaus. Die Ärzte werden ihr Möglichstes tun, uns zu helfen. Doch ist das immer erwünscht? Wollen wir immer alle medizinischen Möglichkeiten ausschöpfen?

Mit einer Patientenverfügung entscheiden Sie heute selbst, was passieren soll, wenn Sie nicht mehr selbst entscheiden können.

Was ist eine Patientenverfügung?

Die Patientenverfügung ist ein Dokument in dem schriftlich festlegt wird, ob und wie in spezifischen Situationen ärztlich behandelt werden soll. Im Voraus wird darin festgelegt, welche Behandlungen oder Eingriffe abgelehnt und welchen zugestimmt wird. Sollte es dann einmal zu der Situation kommen, dass Sie nicht mehr die Fähigkeit besitzen, eigene Entscheidungen zu treffen oder sich zu äußern, wird den Wünschen in der Patientenverfügung Folge geleistet.

Ggf. macht es auch Sinn die Einstellung zum Leben und Sterben, Wertvorstellungen oder religiöse Hintergründe in der Patientenverfügung darzustellen und damit die Wünsche  zu verdeutlichen. Vornehmlich richtet sich die Patientenverfügung an die, an der Behandlung beteiligten Personen (Ärzte, Pfleger etc.), aber es können darin ggf. auch Bitten oder Anweisungen an gesetzliche Vertreter oder Bevollmächtigte gerichtet werden.

 

Wer braucht eine Patientenverfügung?

Niemand ist verpflichtet eine Patientenverfügung zu verfassen. Jedoch gibt es Menschen, die sich vor bestimmten Situationen fürchten oder diese auf jeden Fall vermeiden möchten, z.B. dass man an Geräte angeschlossen über Jahre künstlich am Leben gehalten wird. Das können aber auch weniger schwerwiegende Dinge sein, wie z.B., dass Bluttransfusionen abgelehnt werden. Anders herum kann in einer Patientenverfügung auch festgehalten sein, dass alle zur Verfügung stehenden lebenserhaltenden Maßnahmen ausgeschöpft werden sollen. Egal, was für Sie relevant ist, mit einer Patientenverfügung haben Sie die Möglichkeit Ihr Selbstbestimmungsrecht zu wahren und Einfluss auf Ihre ärztliche Behandlung zu nehmen.

Es ist aber auch zu bedenken, dass mit einer Patientenverfügung evtl. auf ein Weiterleben verzichten wird, wenn z.B. darin festgelegt ist, dass keine Bluttransfusion erwünscht ist, diese aber geholfen hätte zu überleben. Der Patientenverfügung wird Folge geleistet, ungeachtet dessen, was die behandelnden Ärzte empfohlen hätten. Missachtet eine Ärztin ein Arzt die  Wünsche in der Patientenverfügung, macht sie/er sich der Körperverletzung strafbar.   

Hinweis: Es ist ein Irrtum, dass im Notfall automatisch immer der/die Ehepartner/in für Sie entscheiden dürfen. Wenn keine Patientenverfügung oder andere Vollmacht vorliegt, die eine Person benennt, die im Notfall für Sie entscheidet, wird vom Gericht ein Betreuer gestellt, der diese Aufgabe übernimmt, jedoch auch nur mutmaßen kann, was Sie sich gewünscht hätten.

 

Kann eine Patientenverfügung wiederrufen werden?

Ja,  eine Patientenverfügung kann jederzeit formlos wiederrufen werden (§190 Abs. 1 Satz 3 SGB). Aus diesem Grund ist es auch empfehlenswert, die Patientenverfügung in regelmäßigen Abständen auf Aktualität zu überprüfen und ggf. anzupassen.

 

Wie wird eine Patientenverfügung erstellt?

Die Patientenverfügung muss schriftlich verfasst werden und unterschrieben werden.

In einer Patientenverfügung sollten Wünsche sehr präzise und detailliert dargestellt werden. Auf allgemeine Formulierungen wie z.B.: „unerträgliches Leiden“ sollte verzichtet werden, da es  Auslegungssache der behandelnden Ärzte ist, wann „unerträgliches Leiden“ gegeben ist. Im Internet, in Beratungsstellen oder auch im Bundesministerium der Justiz, gibt es Muster für Patientenverfügungen. Im Zweifelsfall ist eine Beratung von ärztlichen oder anderen fachkundigen Personen zu empfehlen.

 

Wo muss eine Patientenverfügung aufbewahrt werden, wer muss davon wissen?

Die Patientenverfügung sollte möglichst so aufbewahrt werden, dass Ärzte, Betreuer oder Bevollmächtigte schnell und unkompliziert darauf zugreifen können. Voraussetzung ist, dass sie Kenntnis von der Existenz der Patientenverfügung haben, deshalb empfiehlt es sich Vertrauenspersonen einzuweihen und einen Hinweis z.B. im Portemonnaie bei sich zu tragen, der Aufschluss über die Existenz und den Verwahrungsort der Patientenverfügung geben.

Von: Martina Bliefernich | pm pflegemarkt.com GmbH