Das Leben mit einem Demenzkranken - Ritter - Ritter
06.01.2012

Das Leben mit einem Demenzkranken: Der schwierige Alltag der Angehörigen bei der Pflege

Demenz ist eine der folgeschwersten Erkrankungen im Alter und die häufigste Ursache von Pflegebedürftigkeit in Deutschland. Ungefähr 30 Prozent der über 80-jährigen und 7 Prozent der über 65-jährigen leiden an Demenz. Nicht immer ist das Leben zwischen einem erkrankten Menschen und dessen Familienangehörigen einfach.

Demenz: Umgang mit der Krankheit

Der Umgang mit einem Demenzerkrankten fällt nicht immer leicht. Eine schleichende, nahezu unmerkliche Gedächtnisschwäche, Sprachstörungen und zunehmender Orientierungsverlust zählen zu den ersten Symptomen einer Demenz. Oft realisieren die Erkrankten diese Veränderungen und reagieren mit Angst, Beschämung, Depressionen oder Wut. Meist jedoch verdrängen die Betroffenen ihr Leiden und halten diese Erfahrungen vor den Angehörigen zurück. Der Verlauf der Krankheit ist durch weitere Persönlichkeitsveränderungen geprägt. Die persönliche Nähe der Angehörigen führt oft zu kritischen Situationen, in denen die Angehörigen das Verhalten des Erkrankten irrtümlich als absichtlich provozierend interpretieren, obschon dieses zu ihrem Krankheitsbild gehört.

Die Betroffenen sind zunehmend mit der Bewältigung der Alltagsaufgaben überfordert, vergessen die Namen der Ehepartner und naher Verwandter und verlieren einen Teil ihrer kommunikativen Fähigkeiten. Das Gesprochene verliert an Inhalt und zunehmend undeutlich. In diesem Stadium können viele ihre Gefühle nicht mehr wahrnehmen, wodurch plötzliche Stimmungsschwankungen zunehmen. Im weiteren Verlauf geht die Kontrolle über Körperfunktionen wie Blase oder Darm verloren, es treten auch Schluckstörungen und Probleme beim Laufen auf.

Der Alltag mit Demenz kann durch folgende Verhaltenstipps erleichtert werden:

  • tägliche Routine gestalten
  • Respekt behalten
  • überflüssigen Streit und Kontrollen vermeiden
  • ruhig, geduldig und humorvoll verhalten

Demenzerkrankung: Rolle der Angehörigen

Spätestens mit Diagnosestellung stellen sich für die Angehörigen die Fragen: "Wie und wo wird die Pflege im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit geregelt? Was wird sich wie verändern?" Trotz vieler Ungewissheiten entscheiden sich die meisten Familien für eine häusliche Versorgung. Sie unterstützen die Erkrankten bei der Körperpflege, ermöglichen gemeinsames familiäres Essen und bieten Unterstützung bei der Orientierung im Tagesablauf. Hilfreich sind dabei auch Gedächtnisstützen, wie etwa eine Liste mit den wichtigsten Telefonnummern und eine deutliche Kennzeichnung der Türen. Das Sprechen in kurzen und deutlichen Sätzen erleichtert die Kommunikation. Doch durch die hohen Belastungen weisen Pflegende auch eine erhebliche Anfälligkeit für psychische und physische Beschwerden auf.

Pflege durch Angehörige – „auch an sich denken“

Mit zunehmendem Verlauf nimmt die zeitliche Inanspruchnahme der Angehörigen für die möglicherweise Tag und Nacht auf Hilfe angewiesenen Demenzerkrankten zu. Die pflegenden Angehörigen sollten dabei auf regelmäßige Erholungsphasen sowie genügend persönlichen Freiraum achten. Auch können Selbsthilfe- und Angehörigengruppen helfen, sich über verschiedenste Erfahrungen und Veränderungen auszutauschen. Aufgrund der hohen Belastung durch die zunehmenden Persönlichkeitsveränderungen der Patientinnen und Patienten, ist es den Angehörigen zu empfehlen zusätzlich auf die vielfältigen Unterstützungsangebote zurückgreifen.

Begleitung durch professionelle Unterstützung

Vielen Angehörigen fällt es häufig schwer professionelle Hilfe anzunehmen, da sie fürchten, ihren Angehörigen nicht in ausreichendem Maße gerecht zu werden. Diese Ängste behindert jedoch oftmals die Chance einer wiederkehrenden persönlich, emotionalen Annäherung des Angehörigen zum Demenzerkrankten, die dementsprechend durch ausreichend gegenseitige Freiräume  unterstützt wird. 
Regionale Pflegestützpunkte beraten in allgemeinen Fragen, auch Sozial- und Pflegedienste sowie Ärzte stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Tagespflegeeinrichtungen und Kurzzeitpflegeangebote unterstützen darüber hinaus die Möglichkeit eine häusliche Versorgung des Erkrankten mit mehr persönlichen Freiräumen oder einer bestehenden Berufstätigkeit der pflegenden Angehörigen wahrzunehmen. Des Weiteren bieten stationäre Pflegeeinrichtungen sowie Demenz-Wohngemeinschaften Unterstützung zur umfassenden Lebensgestaltung dementiell Erkrankter. Denn für alle Beteiligten steht eine individuelle Betreuung der Erkrankten, die explizit auf die Bedürfnisse des Einzelnen angestimmt wird, im Vordergrund.