20 Jahre Ritter - Ritter
13.10.2016

20 Jahre Ritter

Für mich kaum zu glauben, dass der 01.10.1996, unser Gründungstag, schon 20 Jahre her sein soll. Ich kann mich noch sehr gut an die ersten Tage erinnern, wo es in erster Linie darum ging, meine ersten Mitarbeiter zu beschäftigen und Kunden zu bekommen. Hierzu war ich täglich in den verschiedenen Stadtteilen wie Eppendorf, Winterhude, Barmbek etc. unterwegs, um Kontakte zu Ärzten und Sozialdiensten in Krankenhäusern zu knüpfen und auszubauen.

Das war einerseits eine spannende und aufregende Zeit, denn mein Entschluss war, ich kehre der Pflege für immer den Rücken und  mache etwas ganz Neues, oder ich baue mir einen eigenen Betrieb auf und verwirkliche alles so, wie ich es mir vorstellte. Da ich mich für letzteres entschieden hatte, musste ich jetzt tunlichst sehen, wie ich die monatlichen Kosten, ich hatte ja schon die ersten Mitarbeiter, decken kann. Als junger Familienvater mit einer einjährigen Tochter, hatte ich nicht viel Zeit, um zumindest kostendeckend zu arbeiten. Da kam mir die Kooperation mit einem anderen Pflegedienst (den es heute leider nicht mehr gibt) gelegen, in der wir uns gegenseitig mit Know How und Rat und Tat zur Seite standen. So konnte ich schnell den ersten Kundenstamm aufbauen und wir waren ein richtiger Pflegedienst. Im Klartext hieß das für mich, morgens um 06:00 Uhr die ersten Kunden versorgen, dann Büroarbeit, Akquisetermine, dann eine Mittagstour, wieder Büroarbeit oder Termine wahrnehmen, dann Abendeinsätze und irgendwann gegen 21:30 Uhr Feierabend. Wenn ich Glück hatte, durfte ich durchschlafen, ohne dass mein Pieper laut piepste oder mein Telefon klingelte. Tatsächlich gab es solche Nächte bei 30-31 Arbeitstagen im Monat. Im Nachhinein kann ich gar nicht mehr genau sagen, wie viele Jahre das mein Tagesablauf war. An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Frau Susanne Umland bedanken, die nicht nur in dieser Zeit tatkräftig mitgearbeitet hat, sondern mich auch oft wieder aufgebaut hat, wenn ich kurz davor war „die Flinte ins Korn zu werfen“. Sie war immer ein maßgeblicher Motor, der mir geholfen hat, meine Ziele im Betrieb zu erreichen und nicht aufzugeben.

So wuchs der Betrieb und ich konnte meine meisten Arbeitstage auf 10-12 Stunden reduzieren, gefühlt war das dann ein Halbtagsjob. Im Laufe der Jahre wurden wir immer professioneller, haben ein Qualitätsmanagement aufgebaut und ich habe mich nach und nach aus der Pflege zurückgezogen, da ich ansonsten meinen Aufgaben als Geschäftsführer nicht im ausreichenden Maße gerecht worden wäre und somit die Firma gefährdet hätte. Das war der innerlich Sprung vom Krankenpfleger zum Unternehmer. Aus heutiger Sicht einer meiner wichtigsten Erkenntnisse der Vergangenheit, auch wenn es mir anfangs ziemlich schwer fiel, nicht mehr zu meinen Kunden zu gehen.  Es gab so viele Stationen und Geschichten in der Historie, die den Rahmen eines Artikels bei Weitem sprengen würden und an einige davon möchte ich mich auch gar nicht erinnern. Lustig ist aber die Geschichte der Entstehung unseres Qualitätsmanagements. Naiverweise bin ich anfänglich davon ausgegangen, dass meine Weltanschauung der Selbstverständlichkeiten selbstverständlich auch von meinen Kollegen so gesehen wird. Der Zahn wurde mir an vielen Stellen aber schnell gezogen. Für eine meiner damaligen Kolleginnen war es nicht selbstverständlich,  zu melden, dass ihr ein Kefir bei sengender Hitze im Auto explodiert ist. Der Kollege am nächsten Morgen konnte sich nur mit erhöhter Sauerstoffzufuhr durch tiefes Durchatmen an der frischen Luft vor der Ohnmacht retten. Nach diesem Vorfall schrieben wir unsere erste Verfahrensanweisung „Umgang mit dem Dienst-PKW“, der schnell eine Menge weiterer Anweisungen folgten, aus denen dann im Laufe der nächsten Monate unser erstes Qualitätshandbuch entstand.

Aus heutiger Sicht kann ich aber sagen, dass unser Betrieb sich immer durch den hohen Anspruch an sich selbst auszeichnete und dieses immer noch tut. Das Wohl unserer Kunden und unserer Mitarbeiter, die Verbesserung unserer Qualität und unserer Arbeitsplätze liegt uns seit Anbeginn sehr am Herzen. Das ist für uns kein toller Werbeslogan, sondern unserer Motor zur Weiterentwicklung und ebenso ein Befürnis. Das macht unsere Arbeit oft anstrengend, aber auch befriedigend, denn mit einem Stillstand haben wir uns noch nie zufrieden gegeben. Dennoch würdigen wir auch das, was wir erreicht haben. Und das ist mittlerweile ein hoch professioneller Betrieb, der um die 200 Kunden mit 60 Mitarbeitern versorgt und in der Öffentlichkeit und bei anderen Pflegebetrieben einen guten Ruf genießt und der weiter an seiner kontinuierlichen Verbesserung arbeiten wird.

In diesem Sinne möchte ich mich bei all unseren Kunden und all unseren Mitarbeitern (damit meine ich auch explizit unsere ehemaligen Kollegen und Kunden) bedanken, die uns täglich erneut ihr Vertrauen schenken und an uns glauben, auch wenn mal etwas schief läuft. Ohne dieses Vertrauen könnte ich diesen Artikel nicht schreiben, denn dann hätte dieser Betrieb nicht die Grundlage, um so lange zu existieren.

Vielen Dank

Ihr Thorsten Ritter

Von: Thorsten Ritter